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| CASAL VELINO |
| Der Ort ist in mehrere sogenannte 'Frazioni', verschiedene Ortsteile, unterteilt. 'Il Paese', der Hauptort in Hügellage auf ca. 150m Höhe, liegt verschlafen und abseits des Geschehens und des Durchgangsverkehrs. Der historische Ortskern mit seinen verwinkelten Gassen hat seinen Ursprung vor ca. 2500 Jahren in drei Etappen einer urbanen Wanderung. Ursprünglich bewohnten Griechen das Gebiet der jetzigen antiken Stätten von Velia. Die Illyrer hatten bei ihrem Vorstoß in das Mittelmeer die Griechen in neue Siedlungsgebiete, darunter auch nach Kleinasien, vertrieben. Rasches Bevölkerungswachstum, Nahrungsmittelknappheit, der Aufschwung von Handel und Industrie sowie die späteren Kriege mit den Persern führte zu einer Kolonialisierungswelle, in deren Verlauf Kolonien auch in so weit entfernten Gebieten wie der Ostküste des schwarzen Meeres und der heutigen Stadt Marseille gegründet wurden. Zudem entstanden Niederlassungen in Sizilien und im Süden Italiens, so auch in Velia. Süditalien war so dicht von Griechen besiedelt, dass das Gebiet später unter dem Namen 'Magna Graecia' bekannt wurde. Gezwungen durch eine Malariaepidemie im damals Sumpfgebiet zogen die Bewohner in die umliegenden Berge und gründeten Novi Velia, das 'Neue Velia'. Nachdem das Küstenland durch natürliche Anschwemmung und die folgende Trocknung wieder bewohnbar geworden war, wurde Casal Velino ('Häuser von Velia') gegründet. 'La Marina', die ehemalige Anlegestelle der Fischerboote am nördlichen Ende des Golfes von Velia unter dem Sarazenenturm aus dem 12. Jh., entwickelte sich aus dem Bedürfnis des prosperierenden Bürgerturms einerseits Sommerdomizile in direkter Nähe zum Meer und dem 7 Kilometer langen Sandstrand zu besitzen, andererseits aus den sich daraus ergebenden Notwendigkeiten einer Infrastruktur, um die profanen Voraussetzungen für ein dörfliches Leben zu schaffen. Dies schlug sich in dem Bau einer 'Piazza' als zentralem Ort des gesellschaftlichen Lebens und später einer Strandpromenade mit Geschäften und Cafe's nieder - sicherlich auch im Hinblick auf einen möglichen inneritalienischen Fremdenverkehrs. Die Gründung der 'Marina di Casal Velino' vollzog sich in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts im Umkreis von Villen und Palazzi aus dem 19. Jahrhundert. Jeden Freitag findet der Wochenmarkt auf der großen Piazza unter reger Teilnahme der Bevölkerung und der Touristen statt. Bei einem Besuch des Jacht- und Fischerhafens erlebt man abendliche, mediterrane Atmosphäre beim Beobachten der Fischer in ihren traditionellen Holzbooten und beim Flicken ihrer Netze. Als die wohl kultur- und religionswissenschaftlich interessanteste Sehenswürdigkeit in Marina di Casal Velino (auch als Pilgerstätte vom Vatikan ausgewiesen) dürfte die Kappelle S. Matteo zu betrachten sein, in der die Reliquien des Apostels Matthäus aufbewahrt wurden, bis sie 954 in den Dom von Salerno überführt wurden. |