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Italientour mit der CX500 (2013)

Einleitung

Meine geliebte CX500 (alias "Güllepumpe")! Sie trug mich schon 1988 sicher bis zu den griechischen Inseln und wieder zurück. In den vielen Jahren, die seither vergangen sind, wurde sie - wenn überhaupt - nur auf kürzeren Touren gefahren. In den Stehzeiten verstaubte sie entweder in unserem Abstellraum im Hinterhof oder in einer ehemaligen Garage bei meinem Arbeitgeber. Heuer war aber der grosse Moment gekommen: Die erste lange Tour seit 1988 sollte unternommen werden, ein neues Abenteuer lockte!

Vorgeschichte


Wurli mit CX500 am Hafen in Syros (1988)


Vollbepackt am Hafen in Syros (1988)

Erstanmeldung meiner CX: 4.3.1980 in Weiz, der Erstbesitzer wohnte in Gleisdorf. Am 7.5.1982 schon wurde meine CX an einen Grazer verkauft, der sie mir am 12.8.1988 weiterverkaufte - und vorher sogar noch die Wasserpumpendichtung erneuerte. Damals war die CX bei der österreichischen Polizei als Dienstmotorrad im Einsatz, sicher ein Grund warum ich an die Zuverlässigkeit (immerhin sollte es gleich damit nach Griechenland gehen) dieses Modells glaubte. Zudem war auch der Vorbesitzer bei der Polizei, fuhr das gleiche Modell also auch im Dienst und hatte seine private Maschine sicher auch sehr gut gepflegt. Ich kann mich noch daran erinnern, als ich ihn damals auf die Kurvenlage angesprochen hatte - er erzählte mir dann von einer Verfolgungsjagd (mit seiner Frau am Sozius) eines fahrerflüchtigen Unfallbeiligten in Yugoslawien, bei dem er mehrmals mit den Fußrasten bzw. dem Ständer Asphaltkontakt gehabt haben soll - das kann ich mir mittlerweile (das Fahrwerk der CX kennend) zwar nur schwer vorstellen, aber die Story war jedenfalls beeindruckend.

Der Tag der Anmeldung: Der 12.8. 1988 war ein Donnerstag - und am darauffolgenden Sonntag gings auf nach Griechenland, aber das ist eine eigene Geschichte. Fotos davon sind allerdings schon lange hier online. Den tatsächlichen Kilometerstand meiner CX kann ich nur schätzen, da ich schon Anfang der 90er einen neuen Original-Tacho kaufen musste (damals ca. 1.000 Schilling) - der alte zuckte nicht einmal mehr mit Nadel. Es sind aber sicher noch weniger als 50.000 Kilometer, denn mit dem neuen Tacho bin ich ca. 12.000 km gefahren und meiner Erinnerung nach war der Kilometerstand beim Kauf bei ca. 35.000.

Nachdem dann zwischen 2000 und 2005 sowohl die Batterie komplett ihren Geist aufgegeben hatte als auch der gesamte Tankinhalt in unseren Abstellraum geflossen war (ich hatte doch tatsächlich vergessen, den Benzinhahn abzudrehen und irgendwann gab wohl eine Schwimmernadel auf) und eine dicke Staubschicht die Mitte der 90er neu belederte Sitzbank (die alte hatte Risse, sehr unangenehm nach einem Regenguss) bedeckte, musste ich mich entscheiden - verkaufen/verschrotten oder wieder herrichten lassen. Ich zögerte die Entscheidung noch ein wenig hinaus, stellte meine CX aber vorsorglich nach einem mit Spanngurten gesicherten Ritt auf einem Zustell-LKW unserer Firma warm und trocken in einem unserer Parkettlager unter. Der Sohn eines Kollegen, so hatte ich beiläufig erfahren, hatte nämlich seine Lehre in einer Motorrad-Werkstätte erfolgreich beendet und war nicht uninteressiert an der Aufgabe, so einen alten "Bock" wieder auf Vordermann zu bringen. Mir war es natürlich auch recht, etwas weniger für diese Arbeit zu zahlen als in einer offiziellen Werkstätte (vor allem bei einem offiziellen Honda-Händler) zu begleichen gewesen wäre - vor allem da ich Mitte der 90er schon einmal eine sehr schlechte Erfahrung mit dem größten Grazer Händler gemacht hatte, der mir nach einem mittelgrossen Service nicht nur mehrere Tausend Schilling verrechnet, dafür aber nicht einmal die Vergaser synchronisiert hatte...

Leider hatte ich die technischen Fähigkeiten des Sohns meines Kollegen völlig überschätzt - was ich nach einigen Monaten Restaurierungsarbeiten (und zahlreichen Nachfragen bzw. drohenden Nachfragen, wann ich meine CX nun endlich wieder zurückbekommen würde) erhielt, spottete jeder Beschreibung: Der Motor lief nur im untersten und höchsten Drehzahlbereich halbwegs sauber, der neue Vorderreifen war falsch und mit einem Schlauch (die CX hat schlauchlose Reifen!) montiert und hatte neben dem leichten Seitenschlag der Felge nun auch einen sichtbaren Höhenschlag, und das gesamte Motorrad war verdreckt - mindestens so wie vorher. Was der mir vorher alles versprochen hatte - ein Juwel wollte er daraus machen! Das einzige was geklappt hatte war die Montage der Stahlflex-Leitungen für die Vorderbremse, der hintere Reifenwechsel, Ölwechsel, die Begutachtungsplakette und eine neue Batterie - aber die hätte ich mir auch selbst einbauen können. Ich war so zornig auf den Sohn meines Kollegen, daß ich ihm ausrichten ließ, sich nie mehr in meiner Nähe blicken zu lassen - zum Glück gab es bis dato auch keine Gelegenheit dafür.

Da stand ich nun - mit einer unfahrbahren CX, deren "Generalüberholung" mich dazu auch noch eine nicht unerhebliche Stange Geld gekostet hatte. Zum Glück erhielt ich von einem anderen Kollegen den Tip, daß in dem kleinen Örtchen, in dem unsere Firma ansässig ist, auch ein begabter Mechaniker eine Werkstätte besitzt - an diesen wandte ich mich natürlich gleich. Peter Klinger hatte seinen Beruf bei der AVL in Graz von der Pike auf gelernt und war als jemand bekannt, der jede Maschine wieder in Gang bringt - sei es ein alter Caterpillar-Lader, ein Rennwagen aus den Fünfzigern, einen Ralley-Alfa oder einfach nur ein Quad oder Motorrad. Hauptsache: Mechanisch. Als ich seine Drehbank, seinen Motorprüfstand und seinen Biervorrat sah, hatte ich sofort Vertrauen gefasst.

Peter und sein Mitarbeiter Andreas nahmen sich sofort des interessanten Problems mit meinem Vergaser an und nach ein paar Tagen war das Ding zerlegt, gesäubert, die verstopften Düsen durch passende aus anderen Vergasern ersetzt, alles eingestellt und synchronisiert und im Sommer 2009 schnurrte meine CX wieder vor sich hin wie einst in den 80ern. Als ich dann auch noch die Auswertung vom Leistungsprüfstand in den Händen hielt und exakt (!) die Originalleistung lt. Typenschein las (~37 kW bei 9.000 UPM) konnte ich mein Glück gar nicht glauben.


Ausfahrt in die Südsteiermark am 25.8.2009

Allerdings gab es natürlich noch einiges zu erledigen, was aber erst Stück für Stück in den letzten Jahren erfolgte - immerhin kostet so ein zusätzliches Hobby ja auch einiges, und die Infos, wo man was erhält und das auch noch möglichst günstig, muss man sich auch erst mühsam einholen. In aller Kürze ;-) eine Zusammenfassung:

Komplette Fahrerausrüstung (Helm, Schutzkleidung, Handschuhe, Stiefel etc.)
Neues Vorderrad - komplett (das alte hatte ja schon seit dem Kauf 1988 den Seitenschlag, was übrigens schuld an einem Lenkerpendeln bei höheren Geschwindigkeiten war. Damals hatten mir alle erklärt es wäre sicher die Lenkeverkleidung schuld, die ich damals testweise sogar einmal abgebaut hatte - ohne Verbesserung). Zudem musste der Reifen zerschnitten werden weil die Idioten von der "Erstüberholung" den Schlauch in unbeschreiblicher Weise in den Reifen hineingezwängt hatten. So etwas, so sagte mir Mechaniker Andreas, hatte er in seiner ganzen Karriere noch nicht gesehen.
Neue Kupplungsscheiben
Neue Federbeine hinten (von Ikon, dem Nachfolger von Koni)
Neue, progressive Federn vorne
Neue Batterie (mittlerweile schon die zweite nach der Wiederbelebung, das kommt davon wenn man sie über Winter nicht ausbaut und ans Ladegerät hängt...)
Neue Vergaser-Dichtsatz (vorher floss das Benzin nach längerer Standzeit immer wieder einmal aus dem Überlauf)
Neuer Scheinwerfer (der alte war innen schon ziemlich beschlagen)
Neuer Rückspiegel (von den beiden originalen, die wegen der Lenkerverkleidung abgebaut waren, hatte ich nur mehr einen gefunden)

Neuer Hupenschalter (ein Hupenrelais hatte ich schon vor längerer Zeit eingebaut, denn die beiden Hörner, die der Vorbesitzer montiert hatte, hatten mit ihren ca. 8 Ampere Stromaufnahme den alten Schalter komplett verbrutzelt)

Die meisten Teile habe ich übrigens bei Bernt Muhl gekauft - er bietet meiner Erfahrung nach das grösste Sortiment an Original- und Nachbauteilen im deutschsprachigen Raum an, zudem kann er immer wieder (auch per email) helfen, wenn guter Rat teuer ist. Das neue Vorderrad war noch von Honda lieferbar.

Schliesslich und endlich war meine CX im Frühsommer 2013 soweit, wieder voll in Einsatz gebracht zu werden: Zwei Testtouren (eine über das Gaberl nach Judenburg und die andere in die Oststeiermark) bestätigten mir, dass ich jetzt eine CX fuhr, die in einem besseren Zustand war als zum Zeitpunkt des Kaufs. Das war primär auf die verbesserten Federbeine/Dämpfer zurückzuführen, aber sicher auch darauf, dass ich sie schon vor längerer Zeit von dem etwas seltsamen Lenker-Windschild befreit hatte. Dadurch wurde nicht nur die Scheinwerferleistung optimiert (das Windschild, welches man noch auf den Mykonos-Fotos von 1988 sehen kann, hatte eine Plexischeibe vor dem Scheinwerfer) sondern auch den Original-Look wiederhergestellt. Hurra!

Die Reisevorbereitungen

Mein lieber Freund Herwig (ein Ex-Kollege, seit einigen Jahren in Pension, aber immer sehr unternehmungslustig) unternimmt jedes Jahr mit seinem Sohn Bernhard (unwesentlich jünger als ich) eine einwöchige Motorradtour - so waren sie bereits in den französischen Alpen, in Südtirol/Schweiz aber auch in den Marken. Meist mit dem Anhänger anreisend unternahmen sie dann Sternfahrten von einer zentral liegenden Unterkunft aus. Heuer im Frühjahr wurde ich gefragt ob ich nicht Lust hätte, mitzufahren - und spontan sagte ich zu. Da der Motorradanhänger von Herwig nur für zwei Maschinen gebaut ist, mussten wir ein Gebiet wählen, welches von Graz aus halbwegs gut erreichbar ist - da aber Herwig ein Appartement am Lago d´Iseo zur verfügung steht, stand das Ziel relativ schnell fest: Norditalien via Süditrol mit dem Lago als Ziel - und möglichst viele Pässe in den Dolomiten als Fixpunkte auf der Reise. Schon Wochen vor der Abfahrt begann ich zu planen und war wieder einmal Stammgast bei Louis - neben einer Protektorenjacke wollten auch noch ein ordentlicher Tankrucksack, Regenbekleidung, TransTex-Unterwäsche (vorzugsweise von Löffler), Hosenträger, Absperrkette und Hüftprotektoren erstanden werden. Nachdem meine altes Motorrad-Dress auch nicht mehr das gelbe vom Ei war, die neuen Teile, die mir gefielen (z.B. von Held), aber eine Stange Geld kosteten, sah ich mich auf Anraten eines Freundes bei ebay nach Jacken und Hosen von Pharao um - und wurde auch fündig: Die ca. 5 Monate getragene Jacke in einwandfreiem Zustand gab´s um € 160 (statt neu 400) und einige Wochen später die dazupassende Hose um € 90 (statt neu 200). Ich war happy - endlich etwas helles, ein bisschen buntes - nicht immer dieses Einheits-Schwarz.

Schlussendlich wollte ich zur Sicherheit auch noch in die Navigationstechnik investieren - mein Garmin eTrex Vista CX hatte nicht unbedingt die Größe, Qualität und Geschwindigkeit, um sicher durch eine fremde Stadt navigieren zu können. Also wurden private connections zur Firma Garmin aktiviert, und nach kurzer Zeit hielt ich eine (sehr günstig erstandene, danke Mike!) Vorführ-Version des Top-Navis von Garmin in den Händen - den zūmo® 660LM. Die Motorradhalterung war schnell befestigt, für die Verdrahtung musste ich allerdings den Scheinwerfer wieder ausbauen - des geht ja easy, aber der Einbau ist eine ziemliche Fummelei. Nach kurzer Zeit aber steckte das Teil sicher in der Halterung, Stromversorgung durch die Bordelektrik - check!

Jetzt blieb nur noch die Frage: Immer auf den Bildschirm blicken, einen Kopfhörer anstecken - oder doch ein Bluetooth-Headset für den Helm? Die technischen Daten des Schuberth Rider hatte ich schon oftmals verschlungen - Navi-Sprachanweisungen, Interkom, Handy-Koppelung, eingebautes Radio - und nachdem ich auch noch die Bluetooth-Fähigkeiten des Garmin-Navis ausgelotet hatte (zB Media-Player für das Abspielen von MP3 von der Micro-SD) stand der Entschluss fest: Die Welt der Elektronik und Kommunikation hält auch in meinem Helm Einzug. Nach anfänglichen Problemen beim Anziehen des Helms aufgrund der Steifheit des Rider-Kragens und der Gewöhnung an das nunmehr immer vor dem Mund befindliche Mikro war ich von der Qualität des Teils restlos überzeugt - Check!

In der Woche vor der Abreise stieg die Nervosität - speziell in Hinblick auf das angekündigte Wetter. Für mindestens zwei Tage in der fraglichen Woche war Regen angesagt - keine schönen Aussichten. Aber was solls, die Proof Stretch II Jacke und Hose werden schon dichthalten! Am Freitag wurde probegepackt, am Samstag das Auto in der Firma abgestellt und mit der CX nach Hause gefahren (ich lasse die CX lieber in der Firma stehen, da ich nicht erst für jede Tour durch den ganzen Stadtverkehr kurven muss).

Und am Sonntag - pünktlich um 07:30 - ging´s los!

Die Fahrt zum Lago d´Iseo - "Der Weg ist das Ziel"

Vorweg gleich ein paar Tips, die ich mir für die nächste Reise vorgemerkt habe:
1. Digitalkameras auf dieselbe Uhrzeit einstellen - bzw. sich gegenseitig gleichzeitig fotografieren (dann hat man Fotos, anhand derer man einen Abgleich nachträglich durchführen kann)
2. Digicams auf das korrekte Aufzeichnungsformat stellen (ich fotografiere mit meiner Powershot üblicherweise im RAW-Format, hatte aber diesmal vor der Reise JPG eingestellt - damit lassen sich Fotos nur mehr in sehr geringem Umfang nachträglich korrigieren, schade!)
3. Nicht nur Luft, Kühlwasser und Bremsflüssigkeit kontrollieren - auch den Ölstand! Wenn während der ersten Bergtour schon ab und zu die Öl-Warnlampe aufleuchtet und weit und breit keine Tankstelle mit Ölverkauf zu finden ist wird´s brenzlig.


Endlich geht´s los!


Betankung vor der grossen Fahrt

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